Wissembourg, Alsace

Wissembourg & Le Kougelhopf

Wissembourg, Alsace
Wissembourg – Impression an der Lauter

Es ist immer wieder schön, wenn die Messetermine so liegen, wie in diesem Jahr. Dies lässt uns immer die Möglichkeit noch einen »Day Off« einzulegen und bei einem Kurztrip zu entspannen. Für die Zeit nach der techtextil war im Vorfeld eigentlich nichts geplant. Irgendwann kam der Vorschlag: »Leute, wir fahren am Samstag nach Wissembourg!« Wissembourg, das kleine Städtchen im Elsaß, eine gute Wahl und sie wurde auch sofort akzeptiert. Möge doch der Samstag endlich kommen …

Und er kam. Herrlichstes Kaiserwetter begleitete uns auf unserem Weg nach Frankreich. Wir näherten uns Wissembourg durch die Pfalz. Schweigen-Rechtenbach, Deutsches Weintor, noch ein Stück bergab und »Bonjour Wissembourg«! Wie lange waren wir nicht mehr hier gewesen?

Wissembourg (dt. Weißenburg) entstand aus einer Klosteransiedlung aus dem 7. Jahrhundert. Heute hat die Stadt rund 7800 Einwohner und kann auf eine äußerst wechselvolle Geschichte zurückblicken. Nach dem Westfälischen Frieden wurde die Reichsstadt 1680 Frankreich zugeschlagen. Am 4. August 1870 war sie Schauplatz der Schlacht von Weißenburg. Zwischen 1871 und 1918 war die Stadt dann wieder deutsch. Nach dem 1. Weltkrieg fielen Elsaß und Lothringen wieder zurück an Frankreich. In den Jahren 1940 bis 1945 wurde Wissembourg von Deutschland annektiert. Seit Kriegsende gehört die Stadt wieder zu Frankreich. Sie liegt in der Region Grand Est, zu der das Departement Bas-Rhin gehört.

 

Leckereien und Gaumenfreuden

Wissembourg, Alsace
Leckereien und Gaumenfreuden

Obwohl Wissembourg nur rund 7800 Einwohner hat, ist die Stadt ein richtiges kleines Schmuckstück. Ein Stück heile Welt, so liesse sich die Sache vielleicht am besten beschreiben. Der Stadtkern ist alt und gut erhalten. Die Straße säumen viele Geschäfte, die beim Besucher ein wohliges Gefühl aufkommen lassen. Boulangerien/Patisserien, die mit dem Label »artisan (Handwerk)« werben, anstatt mit Backshop. Entsprechend sehen auch die Schaufenster aus. Süße Kunstwerke und Leckereien ohne Ende. Eine ausgedehnte Genusstour dürfte für gute Blutwerte wohl das blanke Gift sein. Diese Auswahl und Präsentation betrifft allerdings nicht nur Konditoreien. Auch Käse und Fleisch – Achtung Fettwerte – werden sehr verlockend angeboten.

 

 Wissembourg – Die Zeit scheint still zu stehen

An diesem Samstag waren die Cafés und Restaurants Wissembourgs gut gefüllt. Die Menschen saßen im Sonnenschein in den Straßencafés und genossen Café au Lait, Espresso, Perrier Menthe oder gar – zu früher Stunde – einen Schluck du Vin Rouge. Warum auch nicht. Auf dem kleinen Wochenmarkt herrschte ein lebhaftes Gedränge. Ein schönes Bild, das an alte Tage erinnerte, an denen Märkte noch so etwas wie den Mittelpunkt kleinstädtischen Lebens bildeten.

Wissembourg, Alsace
Die Abteikirche St. Peter und Paul

Wir liessen den Markt hinter uns und begaben uns in Richtung der Abteikirche St. Peter und Paul. Sie ist eines der Wahrzeichen der Stadt. In unmittelbarer Nähe, direkt an der Lauter, setzten wir uns auf eine Bank. Wir schalteten einfach den Faktor  Zeit ab und beobachteten die Wasserspiele der kleinen Fontänen. Voilà.

Um uns herum strömten Touristen, die, ebenso wie wir, diesen herrlichen Tag genutzt hatten, um eine Prise Wissembourg zu nehmen. Linker Hand blickten wir auf die Abtei. Dort drinnen hatten wir vor Jahren einmal den damaligen SPD-Ministerpräsidenten Kurt Beck getroffen. Der grüßte uns freundlich und war eifrig damit beschäftigt, Kerzen anzuzünden. Wenn diese für sein Seelenheil bestimmt waren, dann haben sie ihm nicht viel genutzt. Nur wenige Jahre später war es mit der politischen Karriere von Kurt Beck vorbei.
Egal, wie der Leser zu Kirche und Religion stehen möge, St. Peter und Paul ist absolut einen Besuch wert. Ein schöner Sakralbau, der auch weniger Gläubige begeistern wird.

 

 

Europa, das größte Vorhaben des 20. Jahrhunderts

Simone Veil, Wissembourg, Alsace
Simone Veil, la grande dame …

 Wissembourg verwöhnt seine Gäste mit einer kleinen »Bimmelbahn«, die Stadtrundfahrrten anbietet. Während wir uns den romanischen Turm der Abteikirche näher besahen, fuhr eine »Bahn« an uns vorbei. Am Ende des letzten Wagens entdeckten wir ein Bild von Simone Veil, der Grand Dame der französischen Politik. Zwischen 1979 und 1982 war sie Präsidentin des Europäischen Parlaments. »Europa, das ist das größte Vorhaben des 20. Jahrhunderts«, konnten wir da lesen. Inhaltlich hat Madame Veil sicherlich absolut recht. Die Praxis zeigt jedoch, wie diese großartige Idee von den Ausführenden in Brüssel und den anderen europäischen Hauptstädten mit Füßen getreten und mißbraucht wird. Und das jeden Tag aufs Neue!

Interessant an einer Stadt wie Wissembourg ist die Kneipen-, Café- und Restaurantdichte. Wir alleine hatten wohl drei oder vier in Sichtweite und alle waren gut besucht. Irgendwann überkam uns auch die Lust, diesen Tag mit einem guten Essen abzurunden. Unsere Wahl fiel auf das »Restaurant Du Saumon«, das sich am Place Du Saumon, direkt hinter unserem Rücken befand. Die Geschichte eines leckeren Essens gibt es dann  hier.


Le Kougelhopf und noch viel mehr

Wissembourg, Alsace
Wissembourg: Süße Leckereien und Kunstwerke, Handwerk statt Backshop

Am Nachmittag mussten wir uns leider wieder auf den Heimweg machen. Noch einmal passierten wir Wissembourgs Strassen und bewunderten die reichhaltigen Auslagen. Ganz am Ende wurden wir doch noch schwach (was eigentlich zu erwarten war). Wir betraten eine Patisserie und gönnten uns einen schönen Kougelhopf (elsässische Schreibweise, hierzulande bekannt als Guglhupf). Der Kougelhopf hat in Süddeutschland, Österreich und im Elsaß eine lange Tradition. Wo das Gebäck wirklich herkommt, das lässt sich heute nicht mehr belegen. Interessant sind die Legenden, die sich um den Kougelhopf ranken, trotzdem. So wird der Name des Kuchens einem Bäcker namens Kugel zugeschrieben. Er soll der Erste gewesen sein, der seine Kunden mit diesem Kuchen verwöhnt hat. Eine andere Legende erzählt, dass der Kougelhopf auf die drei Heiligen Könige zurückgehen soll. Aus Freude über den Besuch der drei soll ein eifriger Bäckermeister einen Kuchen in Form der Hüte der Könige gebacken haben. Wie auch immer, der Kougelhopf ist ein feines Gebäck …

Dann fuhren wir zurück. Noch ehe wir unser Tagesziel erreicht hatten, war die Packung mit dem Kougelhopf allerdings schon halbwegs geplündert. Aber auch das war eigentlich zu erwarten.

 

 

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