Zwickel & Kaps, Alpirsbach

Wanderer, kommst Du nach Alpirsbach …

Wanderer kommst Du nach Alpirsbach … Eigentlich waren wir ja Autofahrer, aber ein wenig dichterische Freiheit sei an dieser Stelle durchaus gestattet. Aber, was hat es nun mit diesem Schwarzwald-Örtchen auf sich? Wir klären auf!
Die Besuche der Heimtextil-Messe haben auch noch eine angenehme Nebenwirkung. In der Regel fällt immer etwas Zeit für die eine oder andere private Vergnügung ab. So auch in diesem Jahr. Nachdem wir unsere Messeverpflichtungen hinter uns gebracht hatten, gönnten wir uns eine kleine Spritztour in den nördlichen Schwarzwald. Und das sollten wir nicht bereuen. Richtig interessant wurde die Sache, als es im Schwarzwald auch noch anfing, heftig zu schneien. Aus dem Kurztrip wurde plötzlich eine Reise in den weißen Winter. Das hatte was. Verschneite Wälder und Berge, glatte Straßen – Bilder, die wir als Großstädter so kaum noch erleben dürfen. Und wenn, dann bestenfalls aus der Konserve wie beispielsweise beim Skirennen oder irgendwelchen Bergfilmen.

Alpirsbach, Alpirsbacher, Zwickel & Kaps

Alpirsbach, Klosterbräu
Hier gibt es Weltmeister-Bier: Der Alpirsbacher Klosterbräu Brauerei-Ausschank

Irgendwann wurden wir hungrig. Und so suchten wir eine Kneipe oder ein Restaurant, um uns für den Rückweg zu stärken. Und da hatten wir auf jeden Fall das Glück auf unserer Seite. Wir fuhren gerade durch Alpirsbach, jenes kleine Schwarzwaldörtchen, das bekannt ist für sein vorzügliches Bier. Regelmäßig wandern Bierpreise in den Nordschwarzwald. So auch jetzt. Hatten wir doch gerade noch in einem Supermarkt gesehen, dass Alpirsbacher just als »Weltmeisterbier« ausgezeichnet worden war. Chapeau!

Mitten im Ort machten wir ein Restaurant aus, das geöffnet zu haben schien. Wir überlegten, fuhren einmal um den Block. Dann entschieden wir uns, das Wagnis eines Besuchs einzugehen. Das Restaurant hieß »Zwickel & Kaps« und beherbergte um die Mittagszeit gerade einmal drei Gäste. Ein Pärchen und ein älterer Herr. Egal, wir hatten unsere Wahl getroffen, komme, was wolle. Das »Zwickel & Kaps« hatte Einrichtung und Ausstrahlung eines Hüttenrestaurants. Nicht unsympathisch. So war die erste Hürde schon einmal genommen: Wir fühlten uns in diesem Ambiente wohl.

Ein Restaurant – zwei Speisekarten

Dann brachte die Chefin die Speisekarten. Es gibt in diesem Restaurant sogar zwei – einmal die Steakhouse-Karte, einmal die »normale« Speisekarte. Nach kurzem Durchsehen entschieden wir uns für die normale Karte, nichts gegen ein gutes Steak, aber die »normale« Karte hatte kulinarisch doch etwas mehr zu bieten. Uns war an diesem Tag nach Medaillons und Cordon Bleu plus Beilagen.Und so platzierten wir unsere Order.

Gebannt warteten wir auf das Essen. Als die Chefin die Platten an den Tisch brachte, wurden wir zunächst von der Optik der Speisen eingefangen. Wie das Essen auf den Tellern garniert war, das hatte Stil. Nicht unbedingt Standard heutzutage. Leider. Somit landete die Crew des »Zwickel & Kaps« den zweiten Treffer des Tages. Und der nächste folgte sogleich.
Schon beim ersten Bissen unverkennbar: Hier war einer am Werk, der sein Handwerk verstand. Auch das ist heute keine Selbstverständlichkeit. Interessant: Beilage beim Cordon Bleu waren Erbsen und Möhren. Die Erbsen schmeckten, wie Erbsen eben zu schmecken haben. Die Möhren hatten einen ganz eigenen Touch. Da war etwas dran, das eigentlich nicht hin gehörte. Und das setzte dem ganzen die Krone auf. Wir rätselten die ganze Zeit. Probierten, schmeckten, überlegten – keine Idee, was das sein könnte. Wir sollten des Rätsels Lösung nach dem Essen erfahren. Die freundliche Chefin fragte für uns beim Koch nach. Und der war so galant, uns das Geheimnis seiner Möhren preis zu geben. Vielen Dank und ein besonderer Gruß in die Küche. In der Tat, mit dieser Lösung hätten wir absolut nicht gerechnet. Aus Gründen der Fairness gegenüber dem freundlichen Koch werden wir unser Wissen für uns behalten.

»Badische« und »Unsymbadische«

Nachdem wir mit dem Essen durch waren und uns ans Bezahlen machten, durften wir noch eine kleine »ethnische« Diskussion erleben. Als die Chefin am Abkassieren war, kam die Diskussion auf Alpirsbacher Bier, Alpirsbacher Klosterbräu, wie es offiziell heißt. Und die Erfolge, die die Brauerei regelmäßig feiert, lassen sich durchaus vorzeigen. Die Chefin berichtete von eben jener Auszeichnung, die der Brauerei gerade wieder verliehen worden war. Das liess unseren Freund »WW«gleich zu großer Form auflaufen.
»Badische Braukunst eben«, merkte er lässig an. Doch mit diesem Spruch war er auf der falschen Spur.
»Keine badische Braukunst, das hier ist der letzte Zipfel von Württemberg«, kam es von der Chefin zurück.
»Oh«, da blieb dem Kollegen die Spucke weg. Die Kabbelei über »Badische« und »Unsymbadische« ging noch eine Weile weiter. Schließlich fanden die Kontrahenten einen brauchbaren Kompromiss.
»Die Leute sehen sich hier weniger als Schwaben, sondern mehr als Schwarzwälder«, klärte die Chefin auf. Das war ein hervorragendes Schlusswort. Das »Zwickel & Kaps« ist – badisch oder nicht – ein hervorragendes Restaurant und das Alpirsbacher, genauso badisch oder nicht, ein gutes Bier. Aber, das wollen wir mal die Berliner lieber nicht hören lassen. Irgendwann hatten wir uns eine Kiste mitgenommen. In Berlin ist eine bekannte Getränke-Firma als Vertriebspartner gelistet. Als wir das Leergut dort abgaben, blökte uns die Verkäuferin nur an: »Stellt es einfach da hinten in die Ecke. Das Zeug will sowieso niemand haben.«
So sind Sie, die Leute aus der Hauptstadt. Immer direkt und immer offen, aber manchmal auch völlig daneben.

Zum guten Schluß!

Impression aus Alpirsbach
Impression aus Alpirsbach im Nordschwarzwald

Zum guten Schluß noch eine Anmerkung. Wir hätten nicht gedacht, ein solches Restaurant gerade in Alpirsbach im Schwarzwald vorzufinden. Der Blick auf die Website klärte auf: Der Koch, ein weitgereister Mann, der u.a. in großen Hotels in Asien seine Erfahrungen gesammelt hat. Und die Chefin, die den Laden professionell organisiert. Die beiden scheinen die Gastronomie wirklich im Blut zu haben und dies auch zu leben. Täglich neu. Vor soviel Engagement ziehen wir den Hut. Das ist heute leider nicht mehr alltäglich.

Die Wirtsleute im »Zwickel & Kaps« sind stets bemüht, ihre Gäste nach allen Regeln der Kunst zu verwöhnen. Damit keine Langeweile aufkommt und, um die saisonalen und regionalen Gegebenheiten einfließen zu lassen, wird die Speisekarte alle paar Wochen aktualisiert. Auf der einen Seite hat dies den Vorteil, dass so immer »Leben« in der Karte ist. Die Kehrseite: Hat der Gast einmal eine Spezialität lieb gewonnen, kann er nicht unbedingt sicher sein, sie beim nächsten Besuch noch auf der Karte zu finden. Aber egal, ein Besuch im »Zwickel & Kaps« in Alpirsbach lohnt sich auf jeden Fall.

 

 

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