Spieß Burger, Finowfurt

Achtung, Spieß Burger in Finowfurt!

Achtung, Spieß Burger in Finowfurt! Wer nur mal »eben so« drüber liest, könnte diese Message in den völlig falschen Hals bekommen. »Das habe ich ja schon immer gewusst, dass es dort nur Spießbürger gibt«, könnte ein potenzieller Leser möglicherweise lospoltern. »Spieß Burger« und »Spießbürger« – ein schönes Wortspiel. Absicht oder Zufall, wir wissen es nicht. Aber, honi soit qui mal y pense, Burger und Spieße? Auch nicht gerade gängig oder?
Halten wir fest: Das Restaurant »Spieß Burger« ist klasse und wir konnten uns schon persönlich davon überzeugen. Andersrum gesagt: Plötzlich ist Finowfurt eine Reise wert.

Spieß Burger, Finowfurt
»Spieß Burger«, Finowfurt

Die Liontexer wurden in Eberswalde verlangt. Also setzten wir uns ins Auto und ab auf die Autobahn. A 11 Richtung Norden, bis zur Ausfahrt Finowfurt. Runter von der Autobahn und auf die B 167 in Richtung Eberswalde. Während wir mit der vorgeschriebenen Höchstgeschwindigkeit von ganzen 30 Sachen durch Finowfurt tuckerten, fiel unser Blick auf ein Schild. Es sah aus wie ein roter Pilz und die Schrift kündete von einem Restaurant namens »Spieß Burger«. Das weckte gleich unser Interesse. Am liebsten wären wir gleich abgebogen und hätten nachgesehen, was es damit wohl auf sich hat. Da bei der Firma Liontex jedoch die Devise herrscht, erst die Arbeit, dann der Spaß, wickelten wir zunächst unseren geschäftlichen Termin ab. Das hatte dazu noch den Vorteil, dass wir uns länger auf unsere Entdeckung freuen konnten. Die Frage war bloss: Was, wenn das eine Pleite werden würde. Wir vertagten die Entscheidung auf später.

Nachdem wir unseren Termin pflichtbewußt erledigt hatten, fuhren wir wieder zurück in Richtung Berlin. In Finowfurt folgten wir den »Spieß Burger«-Schildern und irgendwann standen wir dann wirklich vor dem Restaurant. Parken konnten wir gegenüber vor einer Kirche, die wohl nicht mehr »in Betrieb« ist.
Die Tische vor dem Restaurant waren unbesetzt. Das war bei dem Wetter, das an diesem Tag vorherschte allerdings auch nicht weiter verwunderlich. Wir gingen rein. Auch drinnen kein großer Betrieb. Nun gut, es war nach 14 Uhr, eigentlich eine ungünstige Zeit, um zu Mittag zu essen. Immerhin, die Einrichtung war angenehm. Aus den Boxen schallten Rock’n’Roll-Klassiker. Passt ja auch irgendwie zum Thema »Burger«.

Spieß Burger: Marilyn Monroe und Charles Bukowski

Spieß Burger, Finowfurt
»Spieß Burger«, Finowfurt: Marilyn Monroe und Charles Bukowski

In der Ecke, gleich neben dem Eingang, hingen Bilder von Marilyn Monroe und Charles Bukowski. Das Bukowski-Bild hatte sogar noch einen Ratschlag an uns Menschen: »Eines Tages werden wir alle sterben. Das alleine sollte dazu führen, dass wir alle zusammen vernünftig miteinander umgehen, was es aber nicht tut. Leider lassen wir uns von Nichtigkeiten terrorisieren, wir werden von Nichts aufgefressen.« (We’re all going to die, all of us, what a circus! That alone should make us love each other, but it doesn’t. We are terrorized and flattened by trivialities, we’re eaten up by nothing.)

Eine freundliche Bedienung brachte uns die Karten und wir staunten nicht schlecht. Zwei Seiten voller Burger. Hier eine Auswahl: Klassischer Burger, Käse-Burger, mediterraner Burger, Fisch-Burger, Wild-Burger, Hawaii-Burger, Gemüse-Burger, Halloumi-Burger. Dazu gab es noch Beilagen wie Pommes, Kartoffel-Hobel oder Salate. Und ganz unten auf der Karte gab es dann auch noch ein Angebot für die »Süßen im Lande«: Apfel-Flappen. Das gefiel.

 

Spieß Burger, Finowfurt
Dieses Motto gilt nicht im »Spieß Burger«

Sind wir ehrlich, wer die Wahl hat, der muss sich entscheiden. Und das mussten wir hier auch. Wir rätselten hin und her und entschlossen uns schließlich zu einem italieneischen Salat und einem Käse-Burger bzw. ein Wild-Burger aus 100% Damwild. Wir waren gespannt.

Der italienische Salat machte den Auftakt. Schmeckte super und ließ uns auf mehr hoffen. Und wir wurden nicht enttäuscht. Die Burger waren echt prima. Endlich mal eine Fleischeinlage, die ihren Namen auch wirklich verdiente und vorzüglich schmeckte. Den Grund sollten wir etwas später erfahren. Nachdem wir mit unserem Haptgang durch waren, gönnten wir uns noch einen Espresso. Dann wollten wir uns wieder auf den Weg Richtung Berlin machen. In der Zeit, in der wir gegessen hatten, waren etliche Gäste gekommen, die anscheinend so etwas wie Stammgäste hier waren.

 

Spieß Burger, Finowfurt
Die Leseecke

Beim Bezahlen kamen wir mit der Chefin näher ins Gespräch. Sie freute sich, dass uns ihr Essen vorzüglich gemundet hatte. Und neugierig, wir nun mal sind, fragten wir sie sogleich, was mit dem »Spieß Burger« auf sich hat. Die Antworten, die wir bekamen, versetzten uns in Erstaunen.

Mit der Frage, ob das Restaurant neu sei, eröffneten wir den Fragereigen.
»Nein, unser Restaurant gibt es jetzt ein Jahr und sechs Monate«, erzählte die Chefin.
»Was für Leute kommen denn hauptsächlich hierher«, legten wir nach.
»Ganz unterschiedlich. Quer durch alle Schichten. Das können Rentner hier aus dem Ort sein oder auch Reisende, die hier mal eben eine Pause einlegen. Wir haben viele Kunden, die zur Ostsee fahren und hier bei uns rasten. Unser Einzugsbereich beträgt rund 150 Kilometer«, erklärte sie uns.
»Ein-Hundert-Fünf-Zig-Kilometer, wow«, staunten wir unisono.
»Ja, 150 Kilometer«, bekräftigte sie noch einmal.
»Und am Samstagabend treffen sich hier die Jugendlichen à la Café »American Style«?«
»Nein, wir haben von 12 bis 20 Uhr geöffnet, mitunter, wenn es die Situation erfordert, auch etwas länger. Die Jugendlichen fahren eher nach Berlin, um dort etwas zu erleben.«

 Spieß Burger: Heute Restaurant, früher ein Rinderstall

Spieß Burger, Finowfurt
»Spieß Burger«: Auszug aus der Speisekarte

Dann erzählt die Chefin, dass dieses Restaurant früher einmal ein Stall war, in dem u.a. Rinder operiert wurden. Der Großvater ihres Mannes war hier am Ort 50 Jahre als Tierarzt tätig. Das Rindfleisch, das hier in den Burgern angeboten wird, stammt alles von Tieren, die quasi »um die Ecke« artgerecht auf Weiden gehalten werden. Und genauso schmeckt das dann auch. Die Burgerbrötchen sind auch nicht von der Stange. Sie werden von der örtlichen Bäckerei zugeliefert. Und auch alles andere machte einen frischen Eindruck. Mit der Erkenntnis eine Perle der brandenburgischen Gastronomie entdeckt zu haben, machen wir uns dann auf den Heimweg. Insgeheim hoffen wir, dass wir Liontexer alsbald wieder in Eberswalde und Umgebung gefragt sind. Ein Abstecher zu den »Spieß Burgern« nach Finowfurt wäre gewiß!

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