Kraftwerk Jänschwalde: 3000 MW – Weiße Riesen

3000 MW – Weiße Riesen

Ursprünglich waren wir an diesem Tag unterwegs, um neues Material für unseren »Spreewald-Blog« zu sammeln. Wir klapperten die Orte hinter Burg ab und wurden recht bald auf eine seltsame »Wolkenformation« aufmerksam. Recht schnell war klar, dass dies keine Wolken, sondern aufsteigender Rauch sein musste. Klar, aufsteigender Rauch in dieser Ecke – das ließ nur einen Schluss zu: Das Braunkohle-Kraftwerk Jänschwalde bei der Arbeit. Dies weckte unverzüglich unser Interesse und wie der Zufall es so wollte: Es dauerte nicht lange, bis wir das Kraftwerk sehen konnten. Ein eigenartiges Bild: Reine Natur und großflächige Felder, am Horizont große weiße Schlote, die ihre Rauchschwaden gen Himmel schickten. Das volle Kontrastprogramm.

3000 MW – Weiße Riesen

Kraftwerk Jänschwalde, 3000 MW
Das Kraftwerk Jänschwalde, gesehen von der B 168 vor Peitz

Kurze Zeit später stehen wir dann an den Peitzer Teichen, dem Halterteich genau gesagt, und blicken dem Kraftwerk »direkt ins Auge«. Eine imposante technische Anlage, die durch die Reflexionen im See noch eine völlig neue Dimension bekommt. Wahnsinn. Im Nachgang recherchieren wir dann einige Fakten zum Kraftwerk Jänschwalde. Leistung 3000 MW. Laut Betreiber liefert Jänschwalde jährlich etwa 22.000 Gwh Strom. Gleichzeitig bläst die Anlage ca. 23 Millionen Tonnen CO2 pro Jahr in die Atmosphäre und zählt damit zu den schmutzigsten Kraftwerken in Europa. Befeuert wird das Kraftwerk mit Braunkohle.

Dies scheint also der Preis für unser ach so modernes Leben zu sein. Ein ziemlich hoher Preis, da wir ihn letztendlich mit Umweltschäden und unserer Gesundheit bezahlen. Drehen wir die Sache einfach einmal andersrum: Wer möchte gerne auf die wunderbaren Annehmlichkeiten verzichten, die unser aktuelles Leben für uns bereit schon verzichten?

 

Braunkohle – Energie für weitere 230 Jahre

Damit wären wir schon beim nächsten Thema: Braunkohle! In Deutschland gibt es drei große Braunkohlereviere: Das Rheinische in der niederrheinischen Bucht, die Mitteldeutsche Straße bei Leipzig und das Lausitz Revier. Die Lausitzer Braunkohle entstand vor ca. 5 bis 25 Millionen Jahren. Bei gleichbleibender Förderung würde die Braunkohle in Deutschland noch für einen Zeitraum von ca. 230 Jahren reichen. Verglichen mit der Steinkohle steht die Braunkohle nicht sonderlich gut da. In der Regel. besitzt sie ein Drittel des Brennwertes der Steinkohle. Ist sie aufbereitet kann der Wert bis auf zwei Drittel steigen. Fakt ist, Kohlekraftwerke stehen nicht für saubere Energiegewinnung. Interessant ist, wie die Politik in den nächsten Jahren und Jahrzehnten mit dem Thema »Fossile Brennstoffe« umgehen wird. Der Energiebedarf steigt und steigt. Wir wollen alle täglich unsere Smartphones laden, unsere Laptops betreiben und die E-Mobilität soll ja auch noch ausgebaut werden. Die große Frage ist: Kann der immense Energiebedarf der Zukunft allein aus regenerativen Energiequellen gedeckt werden? Wir dürfen gespannt sein.

Braunkohle – ein Landschaftskiller

Braunkohletagebau Jänschwalde
Braunkohletagebau bei Jänschwalde

Nachdem wir das Thema »Kraftwerk« erfolgreich abgearbeitet hatten , wollten wir unbedingt auch noch einen Blick auf den Tagebau werfen. Wir waren vor Jahren schon einmal am Tagebau Jänschwalde gewesen. Damals wurde gerade Horno, ein Jänschwalder Ortsteil, platt gemacht oder devastiert, wie es so schön heißt. Es war ein beklemmendes Gefühl, durch einen sterbenden Ort zu fahren. Bei unserem jetzigen Besuch sollten wir auch etwas Spezielles erleben. Auf der Suche nach dem Tagebau landeten wir irgendwann in der Ortschaft Heinersbrück. Ein Schild verhieß uns zwei Aussichtspunkte zum Tagebau.
Die Aussichtspunkte haben wir nie gefunden, dafür aber das Dorf Grötsch, ein Ortsteil von Heinersbrück. Grötsch ist ein sogenanntes Sackgassendorf. Eine Straße führt hinein und auch wieder heraus. Schon in den 90ern wurde ein Teil des Dorfes abgebaggert. Einige Leute mussten, um der heiligen Braunkohle willen, umgesiedelt werden. Die Straßen in Grötsch enden jeweils mit einer Aufschüttung von großen Feldsteinen. An einer Straße befindet sich eine Gedenktafel, die dem Besucher mitteilt, wer umgesiedelt wurde.

Straßen im Nirgendwo

Kraftwerk Jänschwalde: 3000 MW, Straße ins Nrgendwo
Straße im Nirgendwo

Im Umfeld von Grötsch können wir von einem Hügel aus dann doch noch einen kurzen Blick auf den Tagebau erhaschen. Einer der genannten Aussichtspunkte kann es wohl nicht sein. Dazu ist der Blick nicht exklusiv genug. Aber egal. Wir wollen uns mit dem bescheiden, was wir haben und nicht jammern. Auf diesem Gelände finden wir auch noch irgendwelche Straßen, die früher einmal sogenannte Landstraßen gewesen sein müssen. Die Straßenmarkierungen sind noch schwach zu sehen. Auch diese Straßen enden an Aufschüttungen von großen Feldsteinen. In der Regel sind Straßen Wege, die zwei oder mehr Punkte miteinander verbinden. Hier gibt es keine Punkte mehr, die es zu verbinden gilt. Hier gibt es nur noch verblichene Straßenmarkierungen und aufgeschüttete Feldsteinhaufen, die aus Sicherheitsgründen den Weg verbauen. Trostlose Einsamkeit.

Nachdem wir den Blick auf den Tagebau eingefangen und dokumentiert haben, ist es Zeit zu gehen. Wir wollen uns wieder unserem eigentlichen Reisezweck zuwenden. Wir gehen mit gemischten Gefühlen. Theoretisch waren wir in Grötsch gerade irgendwo am Ende der Welt. Für uns war es ein seltsames Gefühl. Vielleicht ist es etwas anderes, wenn man ständig hier lebt. Vielleicht kann man sich ja wirklich an diese Umstände gewöhnen. Für diejenigen, die hier aufgewachsen sind und leben, ist dies immerhin ihre Heimat. Da sehen die Dinge mitunter anders aus. Wir haben soeben den Eindruck, den wir damals in Horno bekommen hatten, wieder aufgefrischt. Auch mehr als ein Jahrzehnt später bleibt ein beklemmendes Gefühl.

 

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